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Was ist eigentlich AuDHD – und warum hat mir das so lange niemand erklärt?

  • Autorenbild: Claudia Majer
    Claudia Majer
  • 8. Mai
  • 3 Min. Lesezeit


Stell dir vor, du hast jahrelang nur die Hälfte eines Puzzles in der Hand.

Du weißt, dass da noch etwas fehlt. Du spürst es. Aber alle sagen dir: „Das Puzzle ist vollständig.” Also glaubst du ihnen – und fragst dich insgeheim, warum du trotzdem nie das ganze Bild siehst.

Willkommen im Club. Wir haben Kaffee. Und Chaos. Aber auch jede Menge Aha-Momente.


Erst ADHS. Dann Autismus. Dann: Ach SO ist das.

Lange Zeit galt in der Diagnostik eine goldene Regel: entweder ADHS oder Autismus. Das eine schließt das andere aus. So stand es in den Lehrbüchern, so wurde diagnostiziert, so wurde behandelt.

Bis 2013 das DSM-5 kam und diese Regel still und leise einkassierte.

Seitdem ist AuDHD kein Widerspruch mehr. Es ist eine Realität. Und für viele Menschen eine, die plötzlich ihr ganzes bisheriges Leben neu erklärt. Inklusive dieser einen Szene in Staffel 3, die vorher keinen Sinn ergeben hat.


Was ist AuDHD überhaupt?

AuDHD ist kein offizieller medizinischer Begriff – sondern einer, den die Community selbst geprägt hat. Er beschreibt Menschen, die sowohl ADHS als auch Autismus haben.

Klingt erstmal nach: doppelt so viel Chaos.

Ist aber eigentlich: doppelt so viel Tiefe, doppelt so viel Kreativität – und ja, doppelt so viel Verwirrung, solange man nicht weiß, was los ist.

Denn die beiden Neurotypen widersprechen sich in mancher Hinsicht. Das macht AuDHD so besonders verwirrend – für Betroffene selbst und für alle, die versuchen, sie in eine Schublade zu stecken. (Spoiler: Die Schublade passt nicht. Sie war sowieso schon voll mit anderen Dingen.)


Das innere Tauziehen – kennst du das?

Auf der einen Seite: ADHS.

Die unstillbare Neugier. Der Hunger nach Neuem, Faszinierendem, Aufregendem. Das Gehirn, das von Thema zu Thema springt wie ein aufgedrehter Welpe auf einem Bauernmarkt. Die Energie, die Impulsivität, das Chaos – das sich manchmal wie pure Kreativität anfühlt und manchmal wie Treibsand mit Glitzer drauf.

Auf der anderen Seite: Autismus.

Der tiefe Wunsch nach Struktur, Vorhersehbarkeit, Rückzug. Die Reizempfindlichkeit, die nach einem langen Tag unmissverständlich sagt: Genug. Bitte alle raus. Auch du, Geräusch. Das intensive Erleben, die Loyalität, und diese manchmal überwältigende innere Welt, die so viel reicher ist als das, was nach außen sichtbar wird.

Und jetzt stell dir vor, beide leben gleichzeitig in dir.

Du willst raus – und brauchst gleichzeitig dein Zuhause.

Du liebst Menschen – und brauchst danach stundenlang Stille.

Du startest zehn Projekte mit Feuereifer – und brichst zusammen, wenn der Plan nicht funktioniert.

Das ist kein Widerspruch in dir. Das ist kein Versagen. Das ist AuDHD.


Warum wird es so oft übersehen?

Weil sich ADHS und Autismus gegenseitig maskieren können – und zwar richtig gut.

Die autistischen Züge wirken nach außen unauffälliger, weil das ADHS-Gehirn permanent Energie ins Anpassen steckt. Die ADHS wiederum wird manchmal kleingeredet, weil man ja „auch strukturiert sein kann.”

Und so landet man im Nirgendwo zwischen zwei Diagnosen. Weder „typisch ADHS” noch „typisch autistisch.” Irgendwie dazwischen. Irgendwie komisch. Irgendwie… falsch?

Nein. Einfach nur: unvollständig informiert.


Was ändert sich, wenn man es weiß?

Alles. Und nichts.

Das Leben wird nicht von heute auf morgen leichter – aber es wird verständlicher. Und Verständnis ist, ich schwöre es dir, der größte Game Changer überhaupt.

Plötzlich ergibt der Rückzug nach sozialen Situationen Sinn. Die Überreizung hat einen Namen. Das innere Tauziehen zwischen Neugier und Erschöpfung ist kein persönliches Versagen – es ist schlicht Neurobiologie.

Und dann – ganz langsam, manchmal mit einem Tränchen und einem Kaffee – darf man anfangen, sich selbst mit anderen Augen zu sehen.

Nicht als jemand, der zu viel ist. Oder zu wenig. Oder beides auf einmal auf die falsche Art.

Sondern als jemand, dessen Gehirn einfach anders funktioniert. Und der das endlich weiß.


Du erkennst dich hier wieder?

Dann bist du nicht allein. Und du warst es nie.

Viele Menschen bekommen ihre AuDHD-Diagnose erst im Erwachsenenalter – manche nach Jahrzehnten mit nur einer Hälfte des Bildes. Der Weg danach, der Weg zu sich selbst, der darf begleitet werden.

Wenn du das Gefühl hast, dass da noch etwas fehlt. Dass eine Diagnose allein deinen Alltag nicht ganz erklärt. Dass du endlich verstehen möchtest, warum dein Gehirn tickt wie es tickt –

dann lass uns reden. Unverbindlich. Ehrlich. Auf Augenhöhe. Und mit Kaffee, wenn du magst. ☕

 Du bist nicht zu kompliziert. Du hast einfach noch nicht das ganze Puzzle gehabt. Spoiler: Das ändert sich jetzt.


 
 
 

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